| DIAGNOSE
Die Bedingungen für das Versagen eines
Kindes beim Lesen- und Schreibenlernen sind vielfältig. Um ein Kind
adäquat zu fördern, reicht es deshalb keinesfalls aus, Leistungsversagen
in einem Rechtschreibtest festzustellen. Die Tatsache, dass das Kind im
Schreiben/Lesen versagt, ist schließlich der Grund für betroffene
Eltern, sich an uns zu wenden.
Eine differenzierte Untersuchung darf nicht
durch Hilfskräfte erfolgen. Denn nur wir als Fachleute können
im Untersuchungsverlauf das Verhalten des Kindes beobachten, die Spontansprache
des Kindes analysieren und gegebenenfalls entscheiden, ob weitere Tests
durchzuführen sind und welche.
Die Leitfragen einer prozess-orientierten, qualitativen
Diagnose bei Lese-Schreib-Versagen sind:
- Welche individuellen Stärken und Schwächen
hat Ihr Kind?
- Wo genau steht es in seinem Lernprozess?
- Welche Bedingungen erschweren ihm die Aneignung
des Lesens und Schreibens?
Dazu untersuchen wir:
- das Lesen – Vorlesen und sinnverstehendes
Lesen
- den Entwicklungsstand sprachlicher Kompetenzen
- grundlegende auditive und visuelle Wahrnehmungs
– und Gedächtnisleistungen
- relevante motorische Leistungen
- die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit
(Problemlösestrategien, Abstraktionsvermögen)
- die emotionale Verfassung
- Anamnese: Die Eltern geben in einem Fragebogen-Verfahren
Aufschlüsse über die frühkindliche Entwicklung, den Verlauf
der schulischen Probleme sowie das familiäre Umfeld und beurteilen
bestimmte Aspekte des kindlichen Verhaltens.
Das Verfahren kostet etwa drei Stunden Zeit;
daher führen wir die Untersuchung meist an zwei Terminen durch, um
das Kind nicht zu überlasten.
Für die Auswertung und Evaluation aller
gewonnenen Daten benötigen wir eine bis zwei Wochen Zeit.
Speziell für die schriftsprachlichen
Leistungen ist die qualitative Auswertung von Bedeutung: Die detaillierte
linguistische Analyse der Verschriftungsversuche und Verlesungen sowie
des freien Schreibens. Erst dadurch zeigen sich die Schwächen Ihres Kindes genau so wie
seine Stärken (was es alles bereits kann!), bei denen anzusetzen
ist.
Alle anderen gewonnenen Daten müssen
dazu in Beziehung gesetzt werden, bevor wir einen Untersuchungsbericht
schreiben und die Eltern zum Beratungsgespräch
bitten.
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